Screenshot vom Login des Smart City Hubs.

Straßen und Brücken, Stromnetze und Kanalisation, Telefonleitungen und Glasfaser: Die technische Infrastruktur einer Kommune ist so vielfältig wie selbstverständlich. Eine über Jahrzehnte, häufig über Jahrhunderte erarbeitete, gewartete und zur Verfügung gestellte Grundausstattung. Klar zwickt es hier und da mal. Ausfälle und Baustellen werden mindestens als störend empfunden. Doch für gewöhnlich läuft alles wie von Zauberhand.

Den dafür nötigen Zauberstab schwingen öffentliche Verwaltung und kommunale Betriebe. Was vor der Haustür oder unter der Erde den Alltag aller Menschen erst ermöglicht, liegt im Wesentlichen in ihrer Obhut. Doch die Öffentlichkeit ist größer geworden. Und digitaler. Im Internet bewegen sich täglich weit mehr Menschen als auf allen Autobahnen zusammen. Gerade dort jedoch übt die öffentliche Hand eine eingeübte Zurückhaltung aus. Die Straßen ebnen andere, und die Daten fließen nicht durch öffentliche Rohre.

„Für uns von der Smarten Region in Würzburg war es unumgänglich, Smart City zuallererst als ein Infrastrukturthema zu betrachten“, berichtet Smart City Manager Tilman Hampl. „Kommunen müssen in Zukunft Online-Dienstleistungen aller Art anbieten und dürfen diesen immensen Teil unseres gemeinschaftlichen Alltags nicht weiter vollkommen der Privatwirtschaft und deren Interessen überlassen.“

Hampl beschreibt hier eine Denke, die sich durch das ganze 235 Seiten umfassende Strategiepapier der Smarten Region Würzburg zieht: Die bisher vorwiegend analoge und hardware-lastige technische Infrastruktur Würzburgs muss um ein breites Softwareangebot erweitert werden. Andere städtische Abteilungen, ergänzt der Open-Data-Experte, arbeiten bereits mit ihren Lösungen zur E-Akte und verschiedenen Online-Bürgerdiensten mit Hochdruck in die richtige Richtung, „und unser Projektteam fügt dem noch den einen oder anderen Baustein hinzu.“ Einzig so könnten die Kommunen weiter ihrer Verantwortung zur Daseinsvorsorge nachkommen. Als Resultat dessen und Basis aller weiteren Förderprogramm-Maßnahmen sieht man den sogenannten Smart City Hub.

Angegangen wurde das grundlegende Infrastrukturprojekt bereits in der ersten Kalenderhälfte dieses Jahres – noch vor dem offiziellen Start der Umsetzungsphase der Smarten Region Würzburg. Verantwortlich hierfür ist smart and public, die hundertprozentige Tochter der WVV und damit Enkelin der Stadt Würzburg. In enger Abstimmung prüften und übersetzten dort Marcus Simon und sein Team aus Entwickler:innen und Designer:innen als erstes die Wünsche und Vorstellungen aus dem Strategiepapier. „Daraus entstanden dann kleine, umsetzbare Arbeitspakete, die wir nun im Zweiwochentakt bearbeiten und mit dem Team der Smarten Region besprechen“, berichtet Simon, Head of Technology von smart and public.

Doch was kommt am Ende dabei raus? Was ist der Smart City Hub nun genau? Hendrik Herschlein, Innovation Scout bei der Smarten Region, versucht sich an einer Erklärung: „Wir erweitern unsere digitale Infrastruktur um eine Software, in die man all seine aktuellen und zukünftigen Daten integrieren, also zusammenlaufen lassen kann.“ Katasterdaten hier, Wahlergebnisse dort, oder auch Listen mit Vereinsangeboten: Alles öffentlich Relevante könne, so Herschlein, im Smart City Hub abgelegt und mit ebenfalls integrierten, individuellen Anwendungen verarbeitet werden. Eine Vernetzung, durch die ein riesiges Angebot entsteht. smart and public taufte diese zentrale Funktion nicht umsonst „Datenmarktplatz“.

Tilman Hampl nennt ein Beispiel: „Es wird etwa eine Eventsoftware geben, über die man dann Locations buchen, Gäste verwalten und das Ereignis direkt in verschiedene Kalender, Informationsseiten, -bildschirme und -broschüren einbinden kann.“ Die dafür nötigen Daten hält dann, wenn einmal eingegeben, der Smart City Hub mithilfe seiner gut sortierten Marktstände für beliebige Abnehmer:innen bereit. Hampl denke ganz konkret dabei unter anderem an das Ferienpassangebot von Stadt und Landkreis. „Doch da finden sich noch viele, viele weitere Anwendungsfälle für sowohl Verwaltung als auch Bürger:innen.“ Und überall, wo sensible Daten, etwa Angaben zu Personen, relevant werden, ließe sich, versichern die Macher:innen, ein Vorhang vorziehen.

Smarte Region Würzburg und smart and public bauen kein öffentlich-rechtliches Google-Universum auf. Man misst sich auch nicht mit Amazon und dessen Server-Imperium. Das wäre verwegen und selbst mit viel Geld aus der Bundeskasse nicht stemmbar. „Mächtig“, wie es Hampl ausdrückt, Herschlein ergänzt noch „universell“, und von Marcus Simon kommt noch ein “transparent und sicher” hinterher, ist der Smart City Hub aber dennoch. „Und wir sorgen dafür, dass wirklich alle damit umgehen werden können“, versichert Letzterer. Ab Mitte 2024 soll die Software Teil von Würzburgs technischer Infrastruktur sein – und Basis für die dann nach und nach einzuführenden digitale Maßnahmen der Smarten Region Würzburg.

Dieser Artikel erschien erstmals im Dezember 2023 in „WIR“, der Mitarbeiter:innen-Zeitung der Stadtverwaltung Würzburg, Ausgabe 2/23.

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